artably im Social Innovation Report 2025 | Interview

5. Dezember 2025

Wir sind Ellen Forke und Josepha Dietz, die Gründerinnen von artably. artably ist ein Kunstwort aus „Art“ und „Ability“ und verbindet Kunst und Fähigkeit. Wir nutzen Kunst und Kreativität um Fähigkeiten zu stärken und Potenziale statt Defizite sichtbar zu machen. Das ist für alle Menschen wichtig – und im Besonderen für Menschen mit Behinderungen. Wir bringen Künstler:innen, Musiker:innen, Kunsttherapeut:innen und Theaterpädagog:innen mit Einrichtungen der Behindertenhilfe zusammen und schaffen Schnittmengen, aus denen inklusive Workshops und Angebote entstehen. So eröffnen wir neue Perspektiven und Ausdrucksmöglichkeiten, und schaffen Räume, in denen Vielfalt und Kreativität als Chance für Entwicklung und Teilhabe erlebbar wird.

Die Potenziale von Menschen mit Behinderungen werden im Alltag selten wahrgenommen, weil Strukturen und Angebote fehlen, die ihnen kreative Teilhabe ermöglichen. Zwar sind viele Kurse offen für alle, doch Barrieren und die fehlende Ansprache und Einbeziehung der Teilnehmenden erschweren den Zugang. Deshalb möchten wir als Brücke fungieren zwischen Anbietern kreativer Angebote und Einrichtungen der Behindertenhilfe, aber auch Bildungs- und Kultureinrichtungen, sozialen Trägern und Unternehmen, die teilhabe- und potenzialorientierte Angebote schaffen möchten. Gemeinsam entwickeln wir passgenaue Formate, passen sie an die Strukturen und Bedarfe der Einrichtungen an, machen den Mehrwert künstlerischer Arbeit sichtbar und bauen Vorbehalte ab. So erreichen wir sowohl Menschen in der Behindertenhilfe als auch Fachkräfte, die durch neue Perspektiven und Impulse ihre Arbeit bereichern.

Die Idee entstand aus unserer gemeinsamen Arbeit bei einem Chemnitzer Unternehmen, das ein Gerät entwickelte, das Bewegungen in Musik übersetzt. Durch den engen Kontakt mit Einrichtungen der Behindertenhilfe sahen wir, wie groß die Nachfrage nach inklusiven, kreativen Methoden ist und wie sehr sie Fachkräfte unterstützen. Uns wurde klar: Es gibt viele kreative Tools und Angebote, die für Menschen mit Beeinträchtigungen wertvoll wären, aber nicht sichtbar oder zugänglich sind. So starteten wir 2024 artably mit der Vision, eine Plattform aufzubauen, auf der inspirierende Menschen ihre kreativen Angebote einstellen und Einrichtungen wie Privatpersonen diese finden können – mit der Sicherheit, dass alle dort angebotenen Formate auch für Menschen mit Behinderungen geeignet sind.

Unsere größte Herausforderung ist es, Formate zu entwickeln, die von Einrichtungen gebucht werden. Ein Angebot muss nicht nur spannend und barrierearm sein, sondern auch in Tagesstrukturen passen. Dafür braucht es Anpassungen und enge Abstimmung, die Zeit und Überzeugung erfordern. Hinzu kommt die Finanzierung: Externe Anbieter:innen kosten Geld, das Einrichtungen oft nicht haben oder nicht für kreative Projekte einplanen. Deshalb leisten wir viel Aufklärungsarbeit, um den Mehrwert künstlerischer Angebote zu verdeutlichen.

Ein prägender Aha-Moment war für uns die Erkenntnis, dass das Potenzial unserer Arbeit weit über die ursprünglich angedachte Zielgruppe hinausreicht. So erreichten uns Anfragen von Bibliotheken und Kultureinrichtungen, die ihre Angebote inklusiver gestalten möchten. Diese Rückmeldungen machten deutlich: Unsere Vision lässt sich größer denken – als Einladung an alle Akteur:innen, die Barrieren abbauen und Teilhabe fördern möchten.

Unsere große Vision ist es, „DIE Plattform für inklusive Weiterbildungen“ zu schaffen: einen Ort, an dem kreative und inklusive Angebote gebündelt sichtbar und unkompliziert buchbar sind. Künstler:innen, Kreative und Kursanbieter:innen können ihre Formate selbst eintragen, und Einrichtungen oder Einzelpersonen finden schnell und einfach das für sie passende Angebot. Um dieses Ziel zu erreichen, brauchen wir technologische Infrastruktur, die über unsere aktuelle Website hinausgeht. Außerdem benötigen wir Finanzierung, Know-how im Umgang mit Investor:innen und Business Angels sowie Unterstützung beim Aufbau nachhaltiger Strukturen.  

Netzwerke sind für uns unverzichtbar. Sie bringen uns Expertise, Sichtbarkeit und ermöglichen Beratung durch erfahrene Mentor:innen. Besonders das SINN-Netzwerk war für uns wichtig, da wir dort Coaching und Unterstützung in der Gründungsphase erhalten haben. Was uns aktuell noch fehlt, ist die direkte Zusammenarbeit mit großen Trägern wie der Caritas oder dem DRK in Form gemeinsamer Projekte. Hier wünschen wir uns mehr Offenheit etablierter Organisationen, die auch von sich aus Kooperationen mit noch jungen Startups eingehen.  

Soziale Innovation braucht Mut, Durchhaltevermögen und Offenheit für Veränderung. Bleibt dabei immer realistisch und baut ein soziales Projekt anfangs lieber parallel zu einer sicheren Einkommensquelle auf. Der Druck, sofort wirtschaftlich bestehen zu müssen, kann sich schnell auf die Motivation und die Kreativität niederschlagen. Mit einer stabilen Basis lässt es sich mit mehr Gelassenheit innovieren und Rückschläge werden leichter verkraftbar.

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